Splitterszenen

Splitterszene: Vergangene Unendlichkeiten

Sein Tod ist ein Riss im kosmischen Gefüge und in unserer Seele. In dem Moment, da er jenen Körper verlässt, der Jahrhunderte lang sein Eigen war, wird er für die Dauer einiger unserer viel zu schnellen Herzschläge unendliche frei.

In jene Unendlichkeit explodiert die Magie im reinsten Kern des Daseins. Sie lässt die Erde beben und den ruhenden Strom zu einem Fluss, einem Ozean, einem Tsunami werden. Tobende, machterfüllte Wellen schlagen rauschend über jedem Leben zusammen.

Über unserem Leben.

In der Freiheit seines Todes spüren wir ihn ein letztes Mal tanzen. Uns durchdringend, liebkosend. Wir sind das Licht der erloschenen Sterne und er unsere Motte, die uns mit sanften Flügelschlägen streichelt.

Ein irdischer Abschied in einem neuen Anfang.

Pulsierende Energie mit der Kraft tausender Sonnen, die zu ihrem Ruheort zurückkehrt und den Sturm der Wellen mit sich nimmt. Schmeichelnde Gischt. Der Ozean wird ruhig, der Himmel klar und Glückseligkeit verweilt in jener Stille.

Doch in diese Stille kreischt unser Herz Weltschmerz über den Horizont. Ein klagendes Echo, das jede und keine Antwort kennt. Wir lauschen unserem Verlust, doch erhalten nur Einsamkeit der Ferne zurück.

Seine Seele hat uns endgültig verlassen und obgleich wir sie nun in der Erde unter uns greifen können, so ist die Berührung doch nicht die gleiche. Als wollten wir einen Geist fassen, stoßen wir nur auf eisige Kälte.

Klirrender Frost verbrennt unsere Haut. Ein Fegefeuer das mich für jene Jahre straft, die ich habe verstreichen lassen. Der Schatten einer Zeit, in welcher ich noch nichts von dem Leben in mir wusste.

Denn ich habe ihn nie selbst geliebt.

Doch die Urgewalt in meinem Inneren empfindet so starke Gefühle für ihn, dass sie mich mitreißt und in einen lodernden Vulkan stürzt. Hinab bis ich auf ein magnetisches Feld stoße, das mich auf ewig mit ihm verbindet.

Vom ersten Moment an waren in mir Vertrautheit und Geborgenheit, wie ich sie noch nie wahrgenommen hatte. Ich wusste, dieser Fremde, den ich damals traf, und ich, wir waren auf ewig verbunden.

Und es jagte mir eine heiden Angst ein, sodass ich bei ihm blieb und dennoch fortlief. In einer hetzenden wilden Jagd, fort von mir selbst und doch nicht mir. Ich floh vor dem Leben in meinem Blut. Das Leben, dass Es liebte wie nichts Anderes.

Denn sie sind eine Entität älter als die vergangene Unendlichkeit und sie würde fortbestehen bis die Zeit selbst ihre Existenz vergaß.

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