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Team Why not Both?! – Liebesbeziehungen & Polyamorie in der Phantastik

»Er ist wirklich ein wundervoller Mensch. Ich schätzte seinen Charakter, seine Ansichten. Doch vor allem fasziniert mich seine Ausstrahlung. Du glaubst nicht, wie gerne ich ihn küssen würde.«

»Hast du nicht einen Freund?!«

Die Blicke, die ich erhalte, wenn ich offen darüber spreche, Gefühle für andere als meinen Freund zu hegen, sind fast schon malerisch. Manche sind vollkommen verständnislos. Andere verurteilend bis angeekelt und manchmal ist mein Gegenüber einfach verdutzt.

»Das gehört sich nicht.«

»Das ist doch nicht richtig?«

»Wie kannst du damit leben, deinen Partner zu betrügen

All das sind Dinge, die ich mir schon anhören durfte und jedes Mal lächelte ich nur und begann zu erklären, erläuterte mein Verständnis von Liebe, das bisher nicht wirklich viel Platz in unserer Gesellschaft zu finden scheint, vor allem nicht in den meisten Fantasybüchern, die ich bisher gelesen habe.

Entweder Er oder Ich. Entscheide Dich!

Sicher erinnern sich viele noch an den Krieg, der vor einigen Jahren um uns tobte und der die Lager in Team Edward und Team Jacob spaltete. Ein Trend, der vor allem mit dem Begriff »Team« an großer Popularität gewann und eine Welle an fantastischer Jugendliteratur hervorrief, in der Liebesdreiecke eher die Norm als die Ausnahme waren. Ebenso wie in unserer heutigen Gesellschaft, wird in diesen Romanen davon ausgegangen, dass die einzige plausible und richtige Vorgehensweise jene ist, die den Charakter oder Protagonisten zwingt, sich für einen ihrer beiden Liebhaber zu entscheiden. Oft ist das die weibliche Heldin, die zwischen zwei wahnsinnig gutaussehenden und mysteriösen düsteren Kerlen steht, die ihr Leben für sie geben würden (was allerdings ein anderes Klischee und Problem ist, das hier nicht weiter angeschnitten wird).

Dabei spielt Eifersucht meist eine zentrale Rolle. Der Protagonist ist hin und hergerissen und versinkt oft in Schuldgefühlen und Selbstzweifeln. Er geiselt sich dafür, Gefühle für mehr als eine Person zu haben. Meist erfährt er, wie ich, zusätzlichen Druck von Freunden oder Bekannten, die es verurteilen, für mehrere etwas zu empfinden. Denn das ist es, was uns die Gesellschaft vorschreibt: Es ist falsch für mehrere Personen romantische Gefühle zu empfinden. Das Bild der monogamen Beziehung wird als das einzig akzeptierte dargestellt und Polyamorie wird gleichgesetzt mit sexuellem, polygamen Verhalten und Fremdgehen.

Poly-was? Poly-Ehrliche-Liebe-Für-Alle

Dabei hat Polyamorie rein gar nichts mit Unehrlichkeit oder den Partner betrügen zu tun. Im Gegenteil. Bei der Polyamorie geht es darum, mehr als einen Menschen zur gleichen Zeit zur lieben und das mit dem vollen Wissen und vor allem Einverständnis der beteiligten Partner. Dabei spielt gerade Vertrauen und Offenheit eine essenzielle Rolle. In der Polyamorie geht es vor allem um Liebesbeziehungen und den Gedanken, dass man mit mehreren Menschen Zärtlichkeiten und Sexualität austauschen kann. Allerdinges spricht Polyamorie gegen das, in der fantastischen Literatur weit verbreitete Ideal, die eine Liebe für’s Leben zu finden. Wie oft habe ich in Büchern schon gelesen, dass Person A für Person B sterben würde und nur für ihn, dass sie sich für immer gleich lieben werden. Obwohl das natürlich passieren kann, so ist die Idee von der einen großen Liebe doch rational gesehen unrealistisch und unheimlich romantisiert. Denn Gefühle entwickeln sich und manifestieren sich in diversen Arten von Liebe.

Allerdings sehe ich leider viel zu selten, dass Fantasy-Bücher sich mit diesen diversen Arten der Liebe beschäftigen oder sie überhaupt in Erwägung ziehen. Keiner würde lesen wollen, wie Bella nach hundertfünfzig Jahren einfach keine Lust mehr auf ihren Glitzer-Edward hat, man hält lieber an der Illusion fest, eine einzige große Liebe zu finden.

Ein Berg voller Sterne – So vielfältig & vielzählig können Beziehungen sein

sternberg triangular theory of love

Der Psychologe Sternberg (1984) hat diverse Arten von Liebe definiert, die in dem obigen Diagramm dargestellt sind. Meiner Meinung nach zeigt es deutlich, wie es, gerade auf unromantischer, nicht sexueller Ebene durchaus möglich ist, mehrere Personen zu lieben.

Wenn ich frage, »Welchen deiner Freunde liebst du am meisten?« antworten die meisten damit, dass sie ihre Freunde unterschiedlich lieben, dass es kein Ranking gibt. Und genau das ist auch gut und richtig so. Warum gilt also nicht auch das Gleiche für romantische Beziehungen?

Man kann einen Menschen für das lieben, was er ist. Genau das ist immerzu einzigartig und in jene Einzigartigkeiten verliebt man sich doch. Da Menschen, auf verschiedene Arten, (bspw. freundschaftliche, geschwisterliche und elterliche Liebe) ohnehin genug Liebe haben, um sie aufzuteilen, erscheint es doch plausibel, dass dies auch auf romantische Liebe zutrifft. Ich schätze es immer sehr, wenn verschiedene Bücher verschiedene Arten der Liebe aufzeigen – in diversen Charakteren, auf menschliche Art und Weise, nicht auf eine überzogene.  Ich empfehle jedem Autor, sich gerade am Anfang vom Schreibprozess mit diversen Beziehungsmodellen und Arten auseinanderzusetzen und eine gute Varietät in ihre Geschichten einzubringen.

Von Regen & Rage – Das polyamore Liebesdreieck meiner Magiertrilogie

Mir selbst sind keine Fantasy-Bücher bekannt, in denen es ein funktionierendes Liebesdreieck oder eine polyamore Beziehung für die Protagonisten gibt.

Wenn ihr eine kennt, teilt es mir bitte mit, ich bin super gespannt darauf!

Ich weiß allerdings, dass viele Leser das ewige hin- und her und die Eifersuchtsdramen in (jugendlicher) Fantasyliteratur mittlerweile oft als störend empfinden. Daher wollte ich etwas Neues versuchen und will vor allem jenen Leuten Polyamorie näherbringen, die sie bisher verurteilen oder als etwas Schlechtes oder Betrügerisches sehen. Die polyamore Beziehung kommt erst im dritten Band der Reihe zu Stande, womit ich dem Leser genug Zeit lassen will, die einzelnen Charaktere und Gefühle nachzuvollziehen.

Es handelt sich dabei um meine drei Protagonisten, von denen Sage und Danny beide Perspektivträger und beste Freunde sind. Sie selbst »lieben« einander, allerdings vollkommen auf platonischer, freundschaftlicher und non-sexueller Ebene. Sie verstehen einander und würden nie etwas tun, um sich zu schaden. Während meiner Geschichte entwickeln sich schließlich zwei »Pairings«. Sage und Reason* – »Rage« und Danny und Reason – »Rainy«. Denn sowohl Sage, als auch Danny lieben die gleiche Person und auch er, Reason hat Gefühle für die beiden, obwohl diese sehr unterschiedlicher Natur sind.

Durch die Geschehnisse in der Geschichte ist Reason auf beide angewiesen, um nicht an sich selbst zu zerbrechen und anstatt sich einen Team Sage – Team Danny Kampf zu bieten, entscheiden sich die beiden besten Freunde gleichermaßen für Reason da und ihm mit ihrer Kraft und Liebe die Stütze zu sein, die er benötigt. Ganz ohne Eifersucht, sondern nur darauf bedacht, für denjenigen da zu sein, den sie beide lieben.

Ich persönlich finde es eine schöne Vorstellung und hoffe damit zu zeigen, was es bedeutet, mehrere Personen zur gleichen Zeit zu lieben und damit der Gesellschaft zu zeigen, was Polyamorie ist und wie sie funktionieren kann.

 

Hoffentlich konnte ich auch Euch ein wenig zum Nachdenken anregen. Es würde mich wahnsinnig interessieren, wie ihr zu der ganzen Sache steht. Was haltet ihr von Liebesdreiecken und wie würdet ihr zu einer polyamoren Beziehung in einem Fantasyroman stehen? Glaubt ihr, die Polyamorie hat eine Chance in unserer Gesellschaft anerkannt zu werden? Lasst es mich gerne wissen!

Dieser Beitrag ist Teil der Blog-Reihe »Phantastische Realität«. Eine Liste aller kommenden und bereits veröffentlichten Beiträge findet ihr bei hier bei Meara!

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4 Kommentare zu „Team Why not Both?! – Liebesbeziehungen & Polyamorie in der Phantastik

  1. Danke für den interessanten Artikel. Ich muss zugeben, ich gehöre wohl auch eher zu dem Teil der Bevölkerung, die sich eine polyamore Beziehung schwer vorstellen kann. Wahrscheinlich liegt das daran, dass man auch im persönlichen Umkreis einfach zu oft erlebt, wie eifersüchtig Menschen reagieren können und wie problematisch Dreiecksgeschichten in der Regel verlaufen. Ich halte es nicht unbedingt für verwerflich, dass sich Menschen eine klassische, treue Beziehung wünschen, der Wunsch, für den Partner etwas ganz Besonderes und Einzigartiges zu sein, ist wahrscheinlich in den meisten Menschen verankert. Ich kann mir aber trotzdem vorstellen, dass polyamore Beziehungen funktionieren können, wenn sich die Beteiligten wirklich aus voller Überzeugung und mit Respekt voreinander darauf einigen.
    Fantasy-Romane mit polyamoren Beziehungen sind mir ad hoc auch keine eingefallen, wenn ich ehrlich bin. Stelle ich mir aber interessant vor.

  2. Hallo!
    Ich fand deinen Text wahnsinnig interessant und ja, er hat mich gleich dazu angeregt über meine eigenen Werke nachzudenken. Ich gebe zu, ich mag die romantische Vorstellung von der einzig wahren Liebe, aber ich spiele auch zunehmend mit anderen Konstellationen. Ein Plotbunny beschäftigt sich zum Beispiel intensiv mit der Frage: Wenn es nur eine wahre Liebe gibt, was passiert denn dann, wenn man sie verliert? Darf man dann noch mal die Liebe finden?
    Ich habe aber auch festgestellt, dass ich schon vor zehn Jahren einer meiner Hauptcharaktere in Zeichen der Magie polyamorös gemacht habe. Er liebt zwei Mädchen und zwar auf unterschiedliche Weise, findet es aber unmöglich sich zu entscheiden. Ich fand den philosophischen Grundgedanken dahinter: Kann man zwei (oder mehr) lieben? damals so interessant, aber ich hatte nie bewusst über Polyamorie nachgedacht. Daher danke für die Anregung und da ich dieses Jahr mit der Komplettüberarbeitung anfange, werde ich vielleicht ein wenig mehr darauf achten, dass besser darzustellen :)
    Liebe Grüße
    Janna

  3. Hi =)
    Ich persönlich muss gestehen, dass mehrere „Lieben“ für mich nicht möglich wären, weil ich dann einfach komplett überfordert damit wäre. (Bin auch nicht mulittasking-fähig…) Von daher würde ich aus diesem Grund wohl früher oder später ohnehin den Schlussstrich ziehen und eine Entscheidung fällen müssen. 😉
    Aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass das für andere möglich ist. Und weil du nach einem Beispiel fragst: Ich fand das bei „Vom Winder verweht“ sehr schön. Zugegeben, ist jetzt kein Fantasy, aber das ist eindeutig die Thematik, würde ich behaupten. Meiner Meinung nach geht es da auch nicht darum, dass Scarlett „zwischen“ zwei Männern steht, sondern dass sie sie einfach auf andere Weise liebt. D.h. Ashley liebt sie eher mit dem Verstand, weil er ihren Idealvorstellungen entspricht, und Rhett mit dem Körper, weil sie ihn begehrt.
    Interessanterweise passt diese Beschreibung aber nicht unbedingt in das Schema oben, oder doch? Ich lasse mich gerne aufklären ^^

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