Anthrazit

Anthrazit. Schon nicht mehr grau.
So verschwommen, trist, geschwollen. Fast schon schwarz.

Aber schwarz wäre willkommen. Drückt immerhin etwas aus. Verlorene Seele.

Ein ungeheurer Geier ist der Himmel, erdrückend, drängend.

Rennen matt davon, vor dem Wachstum, das uns jagt.

Immer weiter, ins Gedränge, wo keiner mehr etwas sagt.

Eine Anthrazite Masse. Gesichterlos. Halbtote Banden.

Ist man selbst nur ein Verspotteter unter jenen?

Dem die Gesellschaft hat aufgesetzt eine Maske?

Schaurig, ungeheuerlich, ausgeschieden?

Zu sehr getrieben, zu sehr gerannt, vor dem, was erreicht werden soll.

Vor dem vermeintlich Besserem, das am Ende der Masse liegt. Blicke baden ineinander.

Niemals zu erreichen, der äußere Kreis. Lüge unserer Zeit!

Die Seele gefangen im Käfig maschineller Monotonie.

Das Herz, ein Zahnrad. So funktioniert Es.

Wollen entkommen, wollen fliehen! Masse erdrückt mich. Möchten Maske abziehen!

Innere Leere, ein Loch. Doch nicht schwarz, nicht tief, kein Kontrast zur Reinheit; weiß.

Nein. Anthrazit.

Keine Sinnesreize, Gleichgültigkeit. Erdrückend die Masse. Es schmerzt und doch … gefühlslos.

Dem Schreiber zerbrach die Feder, Tinte läuft. Wie Blut

Verteilt sich auf dem beigen Pergament, zerstört geschriebene Zeilen.

Dem Geiger zersprangen die Saiten, die Wucht zerschnitt ihm das Gesicht.

Auch letzte Töne werden niemals erhallen.

Der Geliebte brach sich selbst das Herz. Ein Ausweg. Schwärze. Leblos.

Wollen gerettet werden! Vor diesem Leben aus trüben dunklem Wasser, das uns erstickt.

Lungen vor dem Platzen, der Druck der Kritik.

Lasst uns fühlen! Irgendwas, Schmerz, Begierde, Flammender Hass!

Fliehen vor der Masse, gehen ab vom anthraziten Pflaster. Nehmen den Weg durch den Wald.

Dichte, düstere Bäume, spenden Schatten. Nässe, Kühle.

Gehen fernab vom Wege, vorbei an alten Geistern. Sie sitzen, schlafen, ruhen. Zufriedenheit.

Ist noch lange nicht vollkommen.

Wir suchen. Irren weiter: Nach neuer Feder, neuer Saite, neuem Herz.